Platzierung von Guerilla Marketing – 3D Werbung in der Schanze

Eine gute Idee und eine gute Platzierung um die Zielgruppe zu erreichen. Fertig ist die perfekte Kampagne.

Die Idee an einer Außenwand eines Wohnhauses teile der Inneneinrichtung herausschauen zu lassen als Symbol für eine zu kleine Wohnung und darunter der Hinweis auf ein Immobilienportal kann zweifelsfrei als gute Idee gelten.

Fehlt nur noch die richtige Positionierung, in Hamburg Steilshoop hätte eine solche Guerilla Marketingaktion sicherlich keinerlei Aufsehen erzeugt, also dorthin wo viele Menschen sind: Ins Hamburger Schanzenviertel, welches ja bekanntlich etwas zwischen Partyzone, Szeneviertel und politischer Kampfzone ist. Und in der Tat, die Installation hat es promt in die Hamburger Medien gebracht und kann sicherlich als Erfolg gewertet werden – wäre da nicht noch ein anderer Aspekt: die politische Moral.

Das Hamburger Schanzenviertel ist Sinnbild und Prototyp einer Entwicklung die allgemein unter dem etwas sperrigen Begriff Gentrifizierung zusammengefasst wird. Vormals eher schmuddelige und günstige in Innenstadtnähe liegende Viertel rücken mehr und mehr ins spekulative Blickfeld. Der in Hamburg eh knappe Wohnraum wird teurer oder nicht selten in Eigentumswohnungen umstrukturiert. Diese Entwicklung hat einen Rückzug von weniger zahlungskräftigen Mietern zur Folge. Eine Entwicklung die in anderen Großstädten dieser Welt schon lange stattgefunden hat und nun auch in Hamburg nicht aufzuhalten ist. Für Menschen mit durchschnittlichem Einkommen und/oder Kindern ist es in Hamburg kaum mehr möglich zentral zu wohnen, sie werden an den Rand oder die Vororte der Stadt gedrängt. In Hamburg ist dies seit Jahren eines der zentralen sozialpolitischen Themen der Stadt, welches in Bezug auf Großprojekte immer wieder neue Facetten bekommt. Die Liste dieser Projekte ist lang: Gängeviertel, Ikea-Altona, Schanzenviertel, St. Pauli mit mehreren Baugebieten, Hafencity und die neue Mitte Altona. Und genau in diese emotional geführte Diskussion stößt die Werbeaktion des Immobilienportals.

Natürlich kann eine solche Aktion nur erfolgreich sein, weil es diese Diskussionen gibt, aber nützt eine solche Aktion der Marke? Oder wird die Marke so Richtung „Kriegsgewinner“ positioniert. Neben Wohnungseigentümer sind es vor allem Makler (sofern sie die Wohnungen im Portfolio haben) und eben die Portale die viele Klicks durch viele Gesuche profitieren. In den genannten Viertel findet kaum jemand der in Hamburg eine Wohnung sucht ein Angebot auf dem Portal, und wenn ist die Chance sie zu bekommen sehr gering. Vielmehr mehren sich die Laternenzettel in denen sehr happige Belohnungen für die Vermittlung einer Wohnung ausgelobt werden, eine ausgeglichener Markt sieht anders aus. Der Markt wird sich durch eine Werbeaktion sicherlich nicht verändern, aber sie lädt doch zur Diskussion und zum Nachdenken ein – was ja die Ziele von Guerilla Marketing sind.

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